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Suchen, ohne zu wissen wonach
Diesen Text habe ich ursprünglich im Jahr 2023 geschrieben. In einer Phase, in der ich viel gefühlt habe, aber oft nicht wusste, wohin damit. Ich habe mich gefragt, ob andere das genauso erleben oder ob ich mir vieles einfach selbst zu kompliziert mache. Nach aussen wirkte mein Leben ruhig, strukturiert, vielleicht sogar klar. Innen war es das nicht. Da war vieles gleichzeitig. Gedanken, die sich wiederholen, ohne wirklich weiterzukommen. Gefühle, die sich nicht einordnen lassen, weil sie sich ständig verändern. Situationen, die im Moment Sinn machen und im Nachhinein plötzlich widersprüchlich wirken. Es ging nie nur um andere Menschen, sondern immer auch um mich. Wie ich reagiere, was ich zulasse, warum ich Dinge halte, die mir eigentlich nicht guttun. Warum ich manchmal bleibe, obwohl ich merke, dass ich gehen sollte. Und warum ich gleichzeitig Angst habe vor genau dem, was ich eigentlich suche, Nähe. Ich habe viel erlebt in dieser Zeit, aber noch mehr darüber nachgedacht. Und oft kam die Klarheit erst, als es schon vorbei war, wenn sie eigentlich nichts mehr verändert hat.
Schreiben als Versuch, Ordnung zu schaffen
Ich habe angefangen zu schreiben, weil ich gemerkt habe, dass ich Dinge sonst einfach in mir behalte, bis sie sich aufstauen. Schreiben ist für mich kein Hobby im klassischen Sinn. Es ist eher eine Art, mich selbst zu sortieren. Gedanken sichtbar machen, die sonst nur im Kopf kreisen und sich immer wieder im Kreis drehen. Es zwingt mich, Dinge auszuformulieren, statt sie nur zu fühlen. Und manchmal merke ich erst beim Schreiben, was ich eigentlich denke. Ich habe lange versucht, nach aussen unkompliziert zu wirken. Locker, verständnisvoll, jemand, mit dem alles easy ist. Und ja, ich kann das. Ich kann mich anpassen, Situationen lesen, mich zurücknehmen, wenn es gebraucht wird. Ich merke schnell, was andere brauchen, oft schneller als sie selbst. Aber genau da liegt auch das Problem. Weil ich oft erst viel später merke, was ich eigentlich brauche. Ich habe das lange als Stärke gesehen. Heute weiss ich, dass es auch eine Form von Selbstverlust sein kann. Nicht laut werden, nicht zu viel sein, nicht anecken funktioniert, aber es kostet. Und irgendwann merkst du, dass du dich selbst kaum noch hörst zwischen all dem, was du für andere bist. Und dann ist es schwierig, wieder zurückzufinden, weil du gar nicht mehr genau weisst, wo du dich verloren hast.
Zwischen Ruhe und Überforderung
Es gibt Dinge, die mir helfen, wenn es zu viel wird. Kochen zum Beispiel. Nicht perfekt, nicht geplant, sondern einfach machen. Schneiden, rühren, abschmecken, ohne gross nachzudenken. Es bringt mich runter, weil ich mich auf etwas konzentriere, das direkt ist, greifbar, ohne Interpretation. Für einen Moment gibt es kein „was bedeutet das“, kein „warum ist das so“, sondern einfach nur tun. Ähnlich ist es mit Tanzen. Laute Musik, Bewegung, raus aus dem Kopf, rein in den Körper. Alles rauslassen, ohne es erklären zu müssen. Von aussen wirkt es vielleicht leicht oder nach Spass, aber oft ist es genau das Gegenteil. Es ist mein Weg, mit Gefühlen klarzukommen, die sonst keinen Platz finden oder zu gross werden, wenn ich ihnen zu viel Raum gebe. Gleichzeitig gibt es auch die anderen Seiten. Gedanken, die bleiben, Zweifel, die sich nicht einfach abschütteln lassen, und dieses ständige Hinterfragen von Dingen, die vielleicht gar nicht so kompliziert wären, wenn man sie einfach stehen lassen könnte. Aber genau das fällt mir oft schwer.
Angst, Nähe, und alles dazwischen
Ein grosser Teil davon zeigt sich in dem, was zwischen Menschen passiert. Nähe ist für mich nichts, das einfach nur schön ist. Sie kann sich gut anfühlen, aber auch unsicher. Manchmal gleichzeitig. Ich merke, wie schnell ich Dinge analysiere, wie ich versuche, Bedeutungen zu finden, selbst da, wo vielleicht keine sind. Wie ich versuche, Kontrolle zu behalten, indem ich verstehe, anstatt einfach zu erleben. Und wie anstrengend das auf Dauer ist. Es geht nicht nur um Liebe. Es geht um Zweifel, um dieses Hin und Her zwischen festhalten und loslassen. Um Momente, in denen man merkt, dass etwas nicht mehr passt, aber trotzdem noch bleibt, weil gehen sich nicht richtig anfühlt oder zu endgültig. Und um die Frage, wann man für etwas kämpft und wann man einfach akzeptieren muss, dass es nicht reicht. Ich habe darauf keine klare Antwort. Und wahrscheinlich gibt es die auch nicht, weil jede Situation anders ist und man oft erst im Nachhinein versteht, was man eigentlich gebraucht hätte.
Heute: Kein fertiges Bild
Ich bin nicht an einem Punkt, an dem alles Sinn macht. Ich verstehe mich besser als früher, aber das heisst nicht, dass alles klar ist. Ich erkenne Muster schneller, merke früher, wenn ich beginne, mich selbst zu verlieren oder mich an etwas festhalte, das mir nicht guttut. Aber ich falle trotzdem noch rein. Und wahrscheinlich gehört das auch dazu. Es gibt keinen Moment, in dem man plötzlich „fertig“ ist. Dieser Blog ist kein Versuch, perfekt zu sein oder irgendetwas darzustellen. Es ist eher ein Ort, an dem Dinge einfach da sein dürfen. Ohne klare Struktur, ohne Anspruch, dass alles eine Lösung haben muss oder logisch sein muss. Gedanken, Rezepte, Texte, vielleicht Songs. Dinge, die mich beschäftigen, in dem Moment, in dem sie da sind. Manchmal reflektiert, manchmal roh, manchmal widersprüchlich. Aber ehrlich.
Die Kunst ist lang; Und kurz ist unser Leben.