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2023: Suchen, ohne zu wissen wonach
Diesen Text habe ich ursprünglich im Jahr 2023 geschrieben. In einer Phase, in der ich mich oft gefragt habe, ob ich mit dem, was ich fühle und erlebe, allein bin. Ob es da draussen Menschen gibt, die ähnlich hoffen, ähnlich zweifeln und ähnlich oft an sich selbst scheitern.

Nach aussen wirkte mein Leben eher ruhig. Innerlich war es das nicht. Es war stark geprägt vom Dating. Nicht als Spiel, sondern als Suche. Es ging mir nie nur um Begegnungen oder Geschichten, sondern um das, was sie in mir ausgelöst haben. Um Erwartungen, die leise entstehen. Um Hoffnungen, die man sich kaum eingesteht. Und um Enttäuschungen, die man oft erst viel später wirklich versteht.

Dating hat mich in dieser Zeit mit vielen Unsicherheiten konfrontiert. Mit Verletzungen, mit peinlichen Situationen und mit Momenten, die sich erst im Rückblick einordnen liessen. Manche davon wirken heute fast absurd. So absurd, dass man darüber lachen kann. Damals taten sie einfach nur weh oder hinterliessen dieses unangenehme Gefühl, nicht ganz richtig zu sein.

Über anderthalb Jahre hinweg war Tinder ein fester Bestandteil meines Alltags. Viele Dates. Manche unerwartet schön, andere ernüchternd, einige schlicht seltsam. Geschichten, die man Freundinnen erzählt und gemeinsam lacht, obwohl hinter dem Lachen auch Erleichterung steckt. Erleichterung darüber, dass es vorbei ist. Oder dass man es überstanden hat. Oft kam die Erkenntnis, ob sich ein Rechtswisch gelohnt hat, später, als mir lieb war.

Schreiben als Versuch, Ordnung zu schaffen
Ich habe angefangen zu schreiben, weil sich vieles innerlich nicht ordnen liess. Weil Gefühle da waren, für die es im Alltag keinen Raum gab. Im Rückblick wirken manche Situationen harmlos, fast nebensächlich. Aber das, was sie in mir ausgelöst haben, war es nicht. Unsicherheit. Ein starkes Bedürfnis nach Nähe. Die Angst, allein zu bleiben. Und dieser innere Widerspruch zwischen dem Anspruch, stabil zu wirken, und dem Wunsch, sich nicht ständig zusammennehmen zu müssen. Ich habe früh gelernt, mich anzupassen. Dazuzugehören, ohne zu viel Raum einzunehmen. Verständnisvoll zu sein, flexibel, pflegeleicht. Lange habe ich das für Stärke gehalten. Erst später wurde mir klar, wie oft ich Kompromisse nicht eingegangen bin, weil sie sich richtig angefühlt haben, sondern aus der Angst heraus, sonst verlassen zu werden.

Angst, Körper, Kompensation
Diese Angst begleitet mich bis heute. Ich erkenne sie schneller und weiss, wann sie mein Verhalten beeinflusst. Trotzdem ist sie tief verankert. Sie verschwindet nicht einfach, nur weil man ihren Ursprung kennt.

Dieser Ursprung ist die Angst, verlassen zu werden. Die Angst, nicht noch einmal das zu erleben, was mich als Kind geprägt hat. Das hat mein Erleben von Nähe verändert. Nähe fühlte sich nie ganz sicher an, weil sie jederzeit wieder weg sein konnte. Deshalb steht mein Körper oft unter Alarmbereitschaft. Das prägt mich bis heute.

Nach aussen wirkte mein Leben lange geordnet. Ich funktionierte, war offen, kommunikativ, präsent. Innen blieb vieles ungeklärt. Gefühle existierten nebeneinander, ohne Richtung. Wünsche waren da, aber schwer greifbar. Grenzen habe ich oft erst bemerkt, wenn sie längst überschritten waren.

Ich habe versucht, diese innere Unruhe zu kompensieren. Unter anderem mit dem Weggehen. Clubs, laute Musik, volle Räume. Für ein paar Stunden nichts fühlen müssen. Aufmerksamkeit, Nähe, Ablenkung. Etwas, das sich kurz stabil anfühlt. Doch das hielt nie lange. Die Wirkung war kurz, das Danach umso klarer. Die Musik verklang, der Heimweg wurde still, und ich war schnell wieder dort, wo ich vorher schon war. Besonders deutlich wurde mir das in Momenten, die eigentlich Ruhe hätten bringen sollen. Situationen, die Nähe versprachen, aber innere Unruhe auslösten. Ich habe sie lange hingenommen. Nicht aus Unwissen, sondern aus Erschöpfung.

Heute: Ein anderer Blick
Heute schaue ich anders auf diese Zeit. Nicht herablassend und nicht mit dieser «zum Glück bin ich da raus»-Haltung, sondern mit Verständnis. Ich sehe die Version von mir, die viel gefühlt hat, viel gedacht hat und trotzdem nicht wusste, wohin mit all dem. Ich sehe auch, wie sehr ich versucht habe, stark zu wirken, während innen etwas ganz anderes los war. Und wie oft ich geglaubt habe, ich müsste mich ändern. Leiser werden. Unkomplizierter. Weniger. Dabei war das Problem selten, dass ich zu viel war. Eher, dass ich mich am falschen Ort klein gemacht habe.

Inzwischen bin ich wieder glücklich vergeben. Und dieses Glück fühlt sich nicht an wie ein Feuerwerk, sondern eher ein Ankommen. Wie zuhause sein. Ruhig, klar, beständig. Weniger abhängig von ständiger Bestätigung. Nicht perfekt und nicht immer leicht, aber echt und tragfähig.

Ich merke, dass Liebe anders wird, wenn man sich selbst nicht mehr dauernd beweisen muss. Wenn man nicht mehr ständig scannt, ob etwas kippt. Wenn Nähe nicht sofort Angst auslöst, sondern auch Sicherheit geben darf. Und wenn man nicht mehr alles kontrollieren will, weil man gelernt hat, dass Kontrolle nicht vor Schmerz schützt, sondern oft nur vor echtem Kontakt.

Diese Geschichten gehören zu mir. Sie sind kein Makel. Nichts, wofür ich mich schämen müsste. Sie sind Teil meines Weges. Ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich heute bin. Ich habe durch sie nicht nur über andere Menschen etwas gelernt, sondern vor allem über mich.

Dieser Blog ist kein Dating-Ratgeber. Keine Anleitung. Sondern ein ehrlicher Rückblick auf eine Zeit voller Suche, Zweifel und Emotionen. Und wenn du dich in manchen Zeilen wiedererkennst oder über gewisse Situationen schmunzeln musst, dann reicht das. Mehr soll dieser Text nicht leisten.

Die Kunst ist lang; Und kurz ist unser Leben.