Warum verwechseln wir Anziehung mit Bedeutung?
Begehren ist kein Gedanke.
Es ist eine Reaktion.
Ein Impuls im Körper, der entsteht, bevor der Verstand überhaupt eingreifen kann.
Begehren ist dieses erste Ziehen. Ein innerer Impuls, der schneller ist als der Verstand. Es entsteht nicht aus Sicherheit, sondern aus Spannung. Aus dem, was offen bleibt. Aus Nähe, die möglich scheint, aber noch nicht da ist. Genau darin liegt seine Kraft.
Im Körper setzt Begehren sofort etwas frei. Dopamin steigt, der Puls beschleunigt sich, die Aufmerksamkeit verengt sich. Gedanken kreisen, der Fokus richtet sich auf einen Punkt. Man fühlt sich wach, lebendig, elektrisiert. Begehren fühlt sich wie Mehr an. Mehr Energie. Mehr Intensität. Mehr Leben.
Doch genau dieses Gefühl kann süchtig machen. Nicht der Mensch selbst, sondern der Zustand. Das Gehirn merkt sich die Spannung, das Kribbeln, die Erwartung. Es will sie wiederholen. Immer wieder. Ruhe wirkt plötzlich leer, Normalität langweilig. Man beginnt, dem Gefühl nachzujagen.
Wenn man Begehren nicht mehr widerstehen kann, wird aus Bewegung ein Sog. Grenzen verschwimmen. Warnsignale werden leiser. Entscheidungen werden nicht mehr aus Klarheit getroffen, sondern aus Verlangen. Begehren denkt nicht langfristig. Es kennt nur das Jetzt.
Im Körper zeigt sich das als Unruhe, Nervosität, innere Getriebenheit. Man ist gedanklich ständig woanders, emotional abhängig von kleinen Zeichen, Nachrichten, Blicken. Das Nervensystem bleibt aktiviert, kommt kaum zur Ruhe. Was als Lebendigkeit begann, wird Spannung, die sich nicht mehr entlädt.
Am ehesten lässt sich Begehren mit einer Droge vergleichen. Nicht, weil es falsch ist, sondern weil es auf die gleichen Systeme wirkt. Dopamin will Nachschub. Das Gefühl will wiederkehren. Und ohne Bewusstsein kann man beginnen, alles andere diesem einen Zustand unterzuordnen.
Nicht alles, was bleibt im Kopf,
sollte Raum im Leben bekommen.