Warum fällt es manchen Menschen leichter, vieles gleichzeitig zu tun, als einfach nur nichts zu machen?
Es gibt Menschen, die schauen einen Film und sind ganz beim Film. Andere brauchen nebenbei noch etwas Zweites, manchmal sogar ein Drittes. Nachrichten beantworten, Musik laufen lassen, etwas suchen, herumräumen, scrollen, planen oder gedanklich schon beim Nächsten sein. Von aussen wirkt das zerstreut. Innen fühlt es sich oft eher notwendig an. Nicht weil Konzentration unmöglich ist, sondern weil nur eine Sache sich manchmal seltsam leer anfühlt.
Viele reden nicht darüber, wie unangenehm Nichtstun sein kann. Für manche ist Ruhe kein Frieden, sondern ein Zustand, der sich falsch anfühlt. Da kommt kein grosses Drama, eher ein Kribbeln in den Händen, eine leise Unruhe, ein inneres Ziehen Richtung Bewegung. Der Kopf sucht Reize, der Körper Beschäftigung. Dopamin reagiert auf Neues und Wechsel, deshalb zieht oft der nächste Impuls. Musik, Aktivität oder Kreativität können Spannung lösen, während Cortisol sinkt, sobald wieder etwas passiert. Was andere Chaos nennen, ist manchmal nur der Versuch, sich selbst im Gleichgewicht zu halten.
Persönlich zeigt sich das seit langem. Als Kind lag oft alles gleichzeitig im Zimmer verteilt, weil vieles begonnen wurde und ständig etwas Neues interessanter schien. Heute ist das Muster ähnlich. Beim Blogschreiben läuft Musik und der Fernseher nebenbei. Bei der Arbeit werden mehrere Dinge gleichzeitig gestartet. Eine Serie läuft, während Perlenketten gemacht werden, Kaffee gekocht wird, plötzlich eine Brokkoli Suppe entsteht und danach noch Farbe auf dem Tisch landet. Ein Freund war sich schon beim ersten Treffen sicher, dass ich ADHS habe. Ob es stimmt, weiss ich nicht. Klar ist nur: Leere fühlt sich falsch an, Bewegung dagegen vertraut. Beschäftigung war oft einfacher, als mich selbst zu spüren.
Manche ruhen nur in Bewegung.