Ohne Mission verliert sich alles leise

Was bleibt von dir, wenn du nur noch funktionierst?

Stille kann sich leicht anfühlen, fast wie Freiheit, bis sie kippt. Tage ohne klare Richtung wirken zuerst wie ein Versprechen, nichts müssen, nichts beweisen, einfach sein. Doch irgendwann wird es unangenehm. Gedanken werden lauter, obwohl nichts passiert. Man merkt, dass da nichts ist, worauf man sich freut oder woran man sich festhalten kann. Es ist kein klarer Schmerz, eher ein konstantes Ziehen, das einfach nicht verschwindet. Dann beginnt man sich abzulenken. Clubs, Alkohol, Menschen. Der Bass drückt gegen den Körper, Lichter flackern, alle wirken offen, locker, lebendig. In diesem Moment fühlt es sich gut an. Man ist lockerer, redet einfacher, traut sich mehr. Für ein paar Stunden passt alles. Genau das macht es so tückisch. Am nächsten Tag kommt der Absturz. Alles fühlt sich schwer an, leer, fast sinnlos. Nicht nur für einen Moment, sondern für mehrere Tage. Man hat keine Energie, weiss nicht, was man mit sich anfangen soll und fällt immer tiefer in dieses Loch. Mit der Zeit wird das ein Kreislauf. Mehr rausgehen, mehr trinken, mehr versuchen, dieses Gefühl wieder zu erreichen. Gleichzeitig wird die Erholung länger, der Körper schwächer. Müdigkeit, Erschöpfung, das Gefühl, dass nichts mehr richtig trägt. Zuhause wird zum schwierigsten Ort, weil es dort still ist. Und genau diese Stille fühlt sich dann nicht mehr ruhig an, sondern erdrückend. Man hält es kaum aus, nichts zu tun, weil sofort wieder diese Leere hochkommt.

Irgendwann kam ein Gespräch, das hängen geblieben ist. Keine grosse Analyse, einfach eine direkte Frage, ob es etwas gibt, wofür man wirklich brennt. Die Antwort war nein. Und genau das hat getroffen. Nicht, weil es überraschend war, sondern weil es so klar war. Plötzlich wurde sichtbar, dass dieses ganze Verhalten kein Zufall ist, sondern ein Ausweichen. Heute sieht es anders aus. Es gibt etwas, worauf man sich freut, etwas, das nicht nur ablenkt, sondern aufbaut. Etwas Eigenes, das wächst, auch wenn es Zeit braucht. Schreiben zum Beispiel. Gedanken ordnen sich, Dinge bekommen einen Platz, und es entsteht langsam etwas, das sich echter anfühlt als jede Nacht draussen. Es geht nicht darum, alles im Leben zu wissen oder sofort eine grosse Mission zu haben. Aber eine Richtung zu haben verändert etwas Grundlegendes. Die Leere verschwindet nicht komplett, aber sie verliert an Macht. Sport war schon immer da, aber eher als Ausgleich. Jetzt gibt es zusätzlich etwas, das nicht nur Energie verbraucht, sondern auch zurückgibt. Und genau das macht den Unterschied.

Kein Ziel, nur Tage, die vergehen.