Das Leben dazwischen

Und wenn das echte Leben genau dann passiert, wenn eigentlich nichts Besonderes passiert?

Wir warten erstaunlich oft auf die grossen Momente. Auf den neuen Job, die nächste Reise, die grosse Liebe, den Geburtstag, den Sommer oder wenigstens auf Freitagabend. Als wären die Tage dazwischen nur das Vorprogramm für das Leben, das irgendwann noch kommen soll. Dabei verbringen wir ziemlich viel Zeit genau dort. An einem Dienstagmorgen mit Kaffee in der Hand. Im Büro, während wir gedanklich längst im Wochenende sind. Vor einem Kleiderschrank voller Kleidung und selbstverständlich nichts zum Anziehen. Oder auf dem Sofa mit dem festen Vorsatz, heute wirklich nichts mehr zu tun, während im Kopf bereits die nächsten sieben Dinge besprochen werden.

Vielleicht sind es genau diese unspektakulären Momente, die interessanter sind, als wir ihnen zugestehen. Die kleinen Widersprüche, über die niemand wirklich spricht. Wir wollen Ruhe und langweilen uns, sobald nichts passiert. Wir wünschen uns mehr Zeit für uns und verbringen einen Teil davon am Handy. Wir sagen, dass uns die Meinung anderer egal ist und überlegen trotzdem, ob wir dieses eine Foto wirklich posten sollen. Wir wollen erwachsen sein, bis etwas passiert, bei dem wir am liebsten kurz unsere Mutter anrufen würden. Und irgendwo zwischen Selbstständigkeit, Rechnungen, Freundschaften, Arbeit, schlechten Tagen, schönen Kleidern und gelegentlich fragwürdigen Entscheidungen versuchen wir herauszufinden, ob eigentlich irgendjemand wirklich weiss, was er tut.

Genau dort beginnt Das Leben dazwischen. Nicht bei einem perfekten Leben und auch nicht bei der nächsten grossen Erkenntnis. Sondern bei den Dingen, die mich beschäftigen, amüsieren, nerven oder mitten im Alltag plötzlich innehalten lassen. Manchmal steckt dahinter etwas Tieferes. Manchmal auch einfach eine Geschichte, über die man lachen kann. Und vielleicht müssen wir auch gar nicht aus allem etwas lernen. Vielleicht reicht es manchmal, genauer hinzusehen, eine Meinung dazu zu haben und sich einzugestehen, dass das Leben gelegentlich ziemlich absurd ist.

Denn während wir ständig darauf warten, dass etwas passiert, habe ich mich gefragt: Was, wenn wir längst mittendrin sind?

Das Leben wartet nicht auf grosse Momente.