Es gibt Tage, an denen ein neues Kleid absolut nichts verändert. Und dann gibt es Tage, an denen genau dieses Kleid plötzlich die gesamte Persönlichkeit übernimmt. Man läuft anders, bestellt vielleicht doch noch einen zweiten Drink und ist für ein paar Stunden vollkommen überzeugt davon, sein Leben erstaunlich gut im Griff zu haben. Oberflächlich? Vielleicht. Hinreissend? Definitiv. Denn Stil hatte für mich noch nie nur damit zu tun, was zusammenpasst. Kleidung kann eine Stimmung sein, ein Schutzschild, ein Neuanfang oder gelegentlich eine ausgesprochen elegante Form der Selbsttäuschung. Wir sagen gerne, dass wir uns nur für uns selbst anziehen und hoffen trotzdem manchmal, genau der einen Person über den Weg zu laufen, wenn das Outfit besonders gut sitzt. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Frauen sind schliesslich komplex. Unsere Kleiderschränke offenbar auch.
Hier geht es um Stil, Schönheit, Weiblichkeit und all die kleinen Dinge, die völlig unwichtig erscheinen, bis sie unsere Stimmung verändern. Nicht darum, immer perfekt auszusehen. Sondern um die wesentlich interessantere Frage: Wenn Kleidung nichts über uns aussagt, warum fühlen wir uns dann manchmal wie eine andere Frau, sobald wir das Richtige tragen?