Dein Körper ist kein Dauerprojekt

Was würde sich verändern, wenn du deinen Körper nicht mehr ständig verbessern müsstest?

Für viele Frauen wird der eigene Körper irgendwann zu einer Aufgabe. Straffer werden, abnehmen, Muskeln aufbauen, gesünder essen, mehr Schritte machen, weniger Zucker, bessere Haut, schönere Haare und bloss nicht wieder zunehmen. Selbst Dinge, die eigentlich guttun sollen, können dadurch unbemerkt zu neuen Regeln werden. Bewegung ist dann nicht mehr Bewegung, sondern muss Kalorien verbrennen. Essen ist nicht einfach Genuss oder Versorgung, sondern wird in gut und schlecht eingeteilt. Und ein Blick in den Spiegel entscheidet manchmal innerhalb weniger Sekunden darüber, wie wir uns an diesem Tag fühlen. Das Schwierige daran ist, dass es kaum einen Moment gibt, an dem dieses Projekt offiziell abgeschlossen ist. Hat man ein Ziel erreicht, findet sich meistens schon das nächste.

Dabei ist nichts falsch daran, etwas an sich verändern zu wollen. Man darf abnehmen wollen, Sport machen, sich schön anziehen, auf die Ernährung achten oder bestimmte körperliche Ziele haben. Problematisch wird es erst, wenn das eigene Wohlbefinden immer in der Zukunft liegt. Wenn der Gedanke entsteht: Sobald mein Körper anders aussieht, werde ich mich endlich wohlfühlen. Denn damit verschiebt sich das Leben ständig auf später. Der Körper, in dem man heute lebt, wird zu einer Zwischenversion, die möglichst schnell optimiert werden soll. Nur verändert sich ein Körper ein Leben lang. Gewicht schwankt, Hormone wirken sich aus, der Zyklus verändert das Körpergefühl, Stress hinterlässt Spuren und manche Tage fühlen sich körperlich schlicht anders an als andere.

Mein eigener Blick darauf ist nicht immer entspannt. Es gibt Momente, in denen ich meinen Körper kritischer betrachte und sofort sehe, was ich gerne verändern würde. Gerade dann merke ich, wie schnell aus einem persönlichen Wunsch eine Bewertung meiner selbst werden kann. Gleichzeitig möchte ich meinen Körper nicht erst akzeptieren, wenn er irgendwann einer bestimmten Vorstellung entspricht. Ich kann an mir arbeiten und mich trotzdem heute respektieren. Ich kann mich bewegen, weil mir Bewegung guttut, und nicht als Strafe für das, was ich gegessen habe. Ich kann auf meine Ernährung achten, ohne jeden Genuss rechtfertigen zu müssen. Diese Grenze ist für mich entscheidend geworden, auch wenn sie nicht jeden Tag gleich leicht einzuhalten ist.

Vielleicht müssen wir unseren Körper nicht bedingungslos lieben. Auch das kann sich wie eine weitere Erwartung anfühlen. Es reicht manchmal, aufzuhören, ständig gegen ihn zu arbeiten. Ihn zu versorgen, ernst zu nehmen und zu akzeptieren, dass Wohlbefinden nicht bedeutet, jeden Morgen begeistert vor dem Spiegel zu stehen. Ein Körper darf sich verändern, ohne dass damit automatisch unser Wert steigt oder sinkt. Denn wenn wir unser ganzes Leben darauf warten, endlich mit uns zufrieden sein zu dürfen, verpassen wir möglicherweise ziemlich viel Zeit in genau dem Körper, den wir gerade haben.

Dein Körper schuldet dir keine Perfektion.