Wann hast du zuletzt einen freien Tag genossen, ohne das Gefühl zu haben, etwas Besonderes daraus machen zu müssen?
Ferien fühlen sich schnell so an, als müsste man etwas daraus machen. Ausschlafen, wegfahren, Freunde treffen, etwas erleben oder zumindest später erzählen können, was man gemacht hat. Mein Freitag sieht heute anders aus. Draussen regnet es und trotzdem hat der Tag früh begonnen. Als Erstes gab es Kaffee und ein paar ruhige Minuten auf dem Balkon. Mali natürlich direkt bei mir. Also sass ich da, mit meinem Kaffee in der Hand, habe mit ihr geschmust und einfach Zeit mit ihr verbracht. Keine Eile, kein Plan für die nächsten Stunden und für einen Moment auch kein Gedanke daran, was ich heute noch machen sollte. Gerade solche Momente mit ihr mag ich besonders, weil sie so selbstverständlich sind. Sie braucht kein Programm und keinen besonderen Tag. Für sie reicht es vollkommen, wenn wir zusammen sind. Vielleicht erinnert sie mich damit manchmal daran, dass es mir eigentlich genauso gehen dürfte. Mit der Gemütlichkeit war es anschliessend allerdings kurz vorbei. Home Workout. Eines von der Sorte, bei der man sich mittendrin fragt, weshalb man freiwillig damit angefangen hat und danach trotzdem froh ist, es durchgezogen zu haben. Komplett fertig, verschwitzt und definitiv bereit für die Dusche.
Frisch geduscht und mit gewaschenen Haaren habe ich mein Bett neu bezogen und meine Lieblingsserie eingeschaltet. Genau solche Kleinigkeiten machen einen freien Tag für mich besonders angenehm. Essen musste heute ebenfalls nicht kompliziert sein. Weil ich erst später richtig essen werde, gab es einen Proteinshake mit ein paar Früchten. Fertig. Kein besonderes Rezept und kein perfekt inszenierter Ferienmorgen. Jetzt liege ich hier, schaue meine Serie und geniesse es, gerade nirgendwo sein zu müssen. Vielleicht mag ich solche Tage mittlerweile genau deshalb so gerne. Es passiert nicht besonders viel und trotzdem fühlt sich nichts leer an. Im Gegenteil. Zwischen Regen vor dem Fenster, frischer Bettwäsche und einer vertrauten Serie merke ich, wie gut es tun kann, einen Tag einfach entstehen zu lassen, statt jede freie Stunde vorher mit etwas zu füllen.
Ganz ohne Verpflichtung komme ich allerdings auch heute nicht davon. Später steht noch eine Fahrstunde an und meine Motivation dafür hält sich ziemlich deutlich in Grenzen. Immerhin wartet am Abend etwas, worauf ich mich wirklich freue. Ich gehe zu meiner Mutter, wir essen gemeinsam zu Abend, machen es uns gemütlich und schauen unsere Serie weiter. Solche Abende mag ich mittlerweile besonders. Kein grosses Programm und nichts Aussergewöhnliches. Einfach zusammensitzen, reden, essen, Serie schauen und Zeit miteinander verbringen. Es sind genau diese vertrauten Stunden, die im ersten Moment vielleicht unscheinbar wirken und sich trotzdem richtig gut anfühlen.
Heute muss aus diesem Freitag deshalb gar nicht mehr werden. Der Regen darf bleiben, meine Serie darf weiterlaufen und die Fahrstunde werde ich auch irgendwie hinter mich bringen. Ferien müssen für mich nicht bedeuten, möglichst viel zu erleben. Manchmal dürfen sie einfach aus Kaffee auf dem Balkon, Zeit mit Mali, einem anstrengenden Workout, frisch gewaschenen Haaren, sauberer Bettwäsche und einem gemütlichen Abend mit meiner Mutter bestehen. Vielleicht sind genau das die Tage, die man viel öfter geniessen sollte, während man noch mittendrin steckt.
Manchmal ist das Einfache genau genug.