Lerne, mit deinem Zyklus zu leben

Was, wenn du nicht dafür gemacht bist, jeden Tag gleich zu funktionieren?

Es wird erwartet, dass man konstant ist. Gleiche Energie, gleiche Leistung, gleiche Stabilität. Doch als Frau stimmt das nicht. Der eigene Körper läuft nicht linear, sondern in einem wiederkehrenden Rhythmus, der sich auf alles auswirkt. Gerade wenn man sensibel darauf reagiert oder mit PMDS lebt, wird das nicht zu einer kleinen Schwankung, sondern zu etwas, das den Alltag mitbestimmt. Und genau hier beginnt der Konflikt. Man versucht mitzuhalten, obwohl der eigene Körper längst etwas anderes braucht.

Die Menstruation ist der Anfang dieses Kreislaufs. Der Körper zieht sich zurück, Energie fehlt, Müdigkeit, Reizbarkeit und Schmerzen können auftreten. Alles wird langsamer, schwerer, leiser. Danach folgt die Follikelphase, in der sich etwas verändert. Energie kehrt zurück, Gedanken werden klarer, man fühlt sich aktiver, optimistischer, fast wieder bei sich. Darauf baut sich der Eisprung auf, oft wie ein kurzer Höhepunkt. Man fühlt sich offen, leicht, verbunden, Nähe fällt einfacher, das Leben wirkt weniger kompliziert. Und dann kippt es wieder in die Lutealphase. Alles wird empfindlicher, Energie nimmt ab, Zweifel werden lauter, das Bedürfnis nach Rückzug und Geborgenheit steigt. Bei PMDS kann sich genau diese Phase so stark anfühlen, dass man sich selbst kaum wiedererkennt.

Das Problem ist nicht dieser Ablauf, sondern der Anspruch, trotzdem gleich zu bleiben. Immer gleich belastbar, immer gleich stabil. Genau das funktioniert nicht. Wer das ignoriert, arbeitet permanent gegen sich selbst. Progesteron verändert sich, der innere Zustand kippt mit, und trotzdem erwartet man, weiterzumachen wie vorher. Dabei liegt die eigentliche Stärke nicht im Durchhalten, sondern im Anpassen. Mehr Raum geben, wenn der Körper ihn braucht. Weniger verlangen, wenn die Energie fehlt. Sich nicht infrage stellen, sondern ernst nehmen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Dass Frau sein bedeutet, in einem Rhythmus zu leben, der nicht jeden Tag gleich ist. Nicht konstant, sondern zyklisch. Nicht schwach, sondern anders. Und dass genau darin kein Problem liegt, sondern etwas, das verstanden werden will.

Arbeite damit, nicht dagegen.