Was macht man eigentlich, wenn die biologische Uhr schon die Familienplanung übernimmt, aber der zukünftige Vater offenbar seinen Termin verpasst hat?
Mit 27 passierte etwas ausgesprochen Unpraktisches. Während ich eigentlich genug damit beschäftigt war, mein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen, hatte mein Körper offenbar beschlossen, die nächste Abteilung zu eröffnen: Familienplanung. Und zwar dringend. Ich wollte ein Baby. Ich wollte schwanger sein. Nicht irgendwann in einer theoretisch hübschen Zukunft, sondern am liebsten ziemlich bald. Plötzlich waren Kinderwagen interessant, Schwangerschaftsbäuche rührend und Babys lösten in mir etwas aus, das sich verdächtig nach „Das will ich auch“ anhörte. Meine biologische Uhr tickte nicht mehr, sie klopfte bereits mit dem Kugelschreiber auf den Tisch. Dumm nur, dass zu einer Schwangerschaft traditionell noch eine zweite Person gehört. Schwierig, wenn das wichtigste Zubehör noch fehlt. Und natürlich sollte dieses Zubehör nicht irgendein Mann sein. Wenn schon Vater meiner Kinder, dann bitte einer, bei dem ich nicht nach drei Monaten herausfinden muss, dass emotionale Verfügbarkeit offenbar als Sonderausstattung verkauft wird. Er sollte liebevoll sein, zuverlässig, intelligent, humorvoll, attraktiv, familienorientiert und im Idealfall auch bleiben, wenn das Leben einmal weniger hinreissend aussieht. Man wird ja wohl noch Ansprüche haben dürfen. Gut Ding will Weile haben, nur hatte meine biologische Uhr für derartige Geduld offenbar wenig übrig. Während mein Körper gedanklich bereits das Kinderzimmer einrichtete, war mein Liebesleben noch damit beschäftigt, Männer auszusortieren, bei denen teilweise schon eine klare Kommunikation eine überraschend ambitionierte Anforderung darstellte. Mein Körper wollte Fortpflanzung, mein Verstand Qualitätskontrolle. Die Zusammenarbeit war ausbaufähig.
Eine Zeit lang fühlte sich dieser Wunsch tatsächlich wie eine Deadline an. Nicht wie dieses lockere „Irgendwann hätte ich gerne Kinder“, das man bei Gesprächen über die Zukunft beiläufig zwischen Eigenheim und Golden Retriever platziert. Ich wollte Mutter werden. Am liebsten drei Kinder, Familie, das ganze Programm. Und natürlich begann ich innerlich zu rechnen. Erst den richtigen Mann kennenlernen, dann Beziehung, zusammenziehen, heiraten, schwanger werden. Innerhalb weniger Minuten hatte ich einen kompletten Lebensplan aufgestellt, während der dazugehörige Mann vermutlich irgendwo vollkommen ahnungslos seinen Kaffee trank. Heute dagegen hat sich die Lage erstaunlich beruhigt. Kinder? Ja, vielleicht in fünf oder sechs Jahren. Gerade möchte ich beruflich weiterkommen, Verantwortung übernehmen, Karriere machen und herausfinden, was da für mich noch möglich ist. Offenbar hat meine biologische Uhr ihre Sitzung vorübergehend vertagt und meiner Karriere den Konferenzraum überlassen.
Das Verrückte daran ist, wie sicher ich mir damals war. Drei Kinder gehörten zu meiner Zukunft, als hätte ich sie bereits irgendwo vertraglich festgehalten. Heute weiss ich nicht einmal, ob diese Vorstellung in fünf Jahren noch zu mir passen wird. Vielleicht kommt dieser Kinderwunsch mit voller Wucht zurück. Vielleicht möchte ich irgendwann Karriere und Familie. Vielleicht verschiebt sich mein Bild vom perfekten Leben aber noch einmal komplett. Schliesslich kommt es meistens anders, als man es sich mit 27 fein säuberlich zusammengerechnet hat. Der passende Mann fehlt übrigens noch immer, nur empfinde ich das inzwischen deutlich weniger als familiären Notstand. Lieber später mit dem Richtigen als rechtzeitig mit dem Falschen. Und was, wenn meine biologische Uhr irgendwann ganz aufhört zu ticken und aus der geplanten Hausfrau mit drei Kindern doch noch eine Karrierefrau wird?
Aktuell wächst lieber mein Kleiderschrank.