Wann hast du das letzte Mal etwas für dich getan, ohne es dir verdienen zu müssen?
Selfcare wird oft mit einem ruhigen Abend, einer Gesichtsmaske, Sport, gesundem Essen oder einer ausgiebigen Dusche verbunden. All diese Dinge können guttun, aber für mich beginnt Selbstfürsorge viel früher. Nämlich bei der Frage, wie wir eigentlich mit uns umgehen, wenn gerade niemand zusieht. Ob wir unseren Körper respektieren, wenn wir uns darin nicht besonders wohlfühlen. Ob wir uns Ruhe erlauben, obwohl noch etwas erledigt werden könnte. Ob wir Nein sagen können, wenn ein Ja einfacher wäre. Und vor allem, ob wir unsere eigenen Bedürfnisse genauso ernst nehmen wie die der Menschen, die uns wichtig sind. Genau dort wird Selfcare schwieriger, denn sich um sich selbst zu kümmern fühlt sich nicht immer angenehm an. Manchmal bedeutet es, etwas abzusagen, Abstand zu nehmen oder zu akzeptieren, dass die eigene Energie heute schlicht nicht für alles reicht.
Gerade Frauen lernen schnell, auf vieles gleichzeitig zu achten. Wie wir aussehen, was wir leisten, wie wir auf andere wirken und ob wir genügend für unser Umfeld da sind. Dabei kann die Verbindung zu den eigenen Bedürfnissen erstaunlich leise verloren gehen. Man funktioniert, kümmert sich, plant weiter und merkt irgendwann, dass man selbst irgendwo zwischen all diesen Erwartungen verschwunden ist. Selbstfürsorge ist deshalb für mich keine Belohnung nach einem produktiven Tag. Sie sollte auch an den Tagen existieren dürfen, an denen nichts besonders gut läuft. Vielleicht sogar gerade dann. Denn der eigene Wert verändert sich nicht dadurch, wie viel erledigt wurde, wie der Körper heute aussieht oder wie belastbar man gerade ist.
Das musste ich selbst erst lernen. Lange fiel es mir leichter, für andere Verständnis aufzubringen als für mich. Ruhe konnte sich wie Faulheit anfühlen, Rückzug wie ein schlechtes Gewissen und eigene Bedürfnisse manchmal wie etwas, das warten kann. Heute versuche ich bewusster hinzuhören. Manchmal bedeutet Selfcare für mich Bewegung, gutes Essen oder Zeit draussen. An anderen Tagen bedeutet sie, alleine zu sein, zu schreiben, Musik zu hören oder einfach nichts von mir zu verlangen. Nicht jede dieser Entscheidungen fühlt sich sofort gut an. Aber genau darin liegt für mich inzwischen der Unterschied: Ich möchte mich nicht nur dann gut behandeln, wenn ich mich gut fühle.
Vielleicht müssen wir Selfcare deshalb weniger als etwas betrachten, das wir zusätzlich in unseren Alltag einbauen, und mehr als die Art, wie wir diesen Alltag mit uns selbst verbringen. Denn am Ende verbringen wir unser ganzes Leben in unserem eigenen Körper und mit unseren eigenen Gedanken. Es wäre ziemlich hart, ausgerechnet dort ständig gegen sich selbst kämpfen zu müssen.
Für dich da sein zählt auch.