Warum wir öfter lachen sollten

Wann hast du zuletzt so gelacht, dass du alles andere vergessen hast?

Kinder lachen bis zu 300 Mal am Tag. Erwachsene schaffen oft nur noch einen Bruchteil davon. Als ich diese Zahl hörte, musste ich zuerst schmunzeln. Eigentlich ist es absurd. Mit jedem Lebensjahr werden wir ernster, voller Termine, Verpflichtungen und Gedanken. Gleichzeitig verlieren wir etwas, das nichts kostet und trotzdem unglaublich viel bewirken kann. Lachen fühlt sich nicht nur gut an, es verändert tatsächlich etwas in unserem Körper. Beim Lachen werden Glückshormone ausgeschüttet, Stresshormone reduziert und die Muskulatur entspannt sich. Der Puls steigt kurzfristig an und sinkt danach wieder, ähnlich wie nach einer kleinen Trainingseinheit. Selbst das Immunsystem profitiert davon. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb wir uns nach einem herzhaften Lachen oft leichter fühlen. Nicht weil die Probleme verschwunden sind, sondern weil unser Körper für einen Moment aus dem Alarmzustand herausfindet.

Ausgerechnet an einem Tag, an dem ich viel über das Thema Lachen gelernt habe, wurde mir bewusst, wie selten diese Momente geworden sind. Während eines Teammeetings erzählte ein Arbeitskollege von seinem nächsten Termin und dass er danach von zu Hause aus arbeiten würde. Eigentlich nichts Besonderes. Trotzdem musste ich plötzlich lachen. Erst ein Schmunzeln, dann ein richtiges Lachen. Er fing ebenfalls an zu lachen, fragte mich, weshalb ich lache, und genau dadurch wurde alles noch lustiger. Kurz darauf lachte der ganze Raum. Niemand wusste mehr so genau warum und genau das machte den Moment so schön. Für ein paar Sekunden war niemand gestresst, niemand mit offenen Aufgaben beschäftigt und niemand in Gedanken schon beim nächsten Termin. Wir haben einfach gelacht. Der ganze Tag fühlte sich leicht an. Gespräche fielen einfacher, die Stimmung war gut und am Abend sass ich noch mit einer Kollegin bei einem Kaffee. Gleichzeitig sprachen wir über ein Thema, das mich seit längerer Zeit beschäftigt und emotional bewegt. Erst als ich später nach Hause kam und die Ruhe einkehrte, brachen die Tränen hervor. Früher hätte mich dieser Widerspruch irritiert. Wie kann man tagsüber lachen und sich am Abend trotzdem traurig fühlen? Heute glaube ich, dass genau darin etwas Wichtiges steckt. Gefühle ersetzen sich nicht gegenseitig. Freude löscht Schmerz nicht aus und Schmerz macht schöne Momente nicht wertlos.

Vielleicht sollten wir aufhören, ständig zwischen guten und schlechten Gefühlen unterscheiden zu wollen. Manchmal gehört beides zum selben Tag. Gestern hat mich nicht das Lachen überrascht. Sondern die Erkenntnis, dass ein Mensch gleichzeitig leicht und schwer sein darf. Dass ein ehrliches Lachen Platz haben kann, auch wenn das Herz noch mit etwas anderem beschäftigt ist.

Lachen ist für die Seele dasselbe, wie Sauerstoff für die Lunge.