Darf ich lachen, wenn eigentlich nichts lustig ist?

Seit wann müssen unsere Gefühle eigentlich zueinander passen?

Es begann ausgerechnet in einem Teammeeting. Ein Arbeitskollege erzählte etwas über seinen nächsten Termin und dass er danach von zu Hause arbeiten würde. Keine Pointe. Keine besonders lustige Geschichte. Eigentlich nicht einmal Material für ein höfliches Schmunzeln. Trotzdem musste ich lachen. Erst dieses kleine Lachen, das man noch irgendwie unter Kontrolle bekommen möchte. Dann machte ich den Fehler, ihn anzusehen. Er fragte, warum ich überhaupt lache, was natürlich dazu führte, dass ich noch mehr lachen musste. Kurz darauf lachte er ebenfalls und irgendwann sass ein ganzer Raum voller erwachsener Menschen da und lachte über etwas, das vermutlich niemand von uns hätte erklären können. Vielleicht war genau das so hinreissend daran. Für ein paar Minuten gab es keine offenen Aufgaben, keine Termine und niemand war gedanklich bereits drei Stunden weiter.

Der ganze Tag fühlte sich danach leichter an. Gespräche waren einfacher, die Stimmung war gut und später sass ich noch mit einer Kollegin bei einem Kaffee. Eigentlich einer dieser Tage, bei denen man abends sagen könnte: Heute war schön. Nur sass ich einige Stunden später zu Hause und weinte. Nicht wegen etwas, das an diesem Tag passiert war. Da war einfach noch etwas anderes in mir, das offenbar ebenfalls seinen Auftritt wollte. Früher hätte mich genau das irritiert. Wie kann man mittags so lachen, dass einem der Bauch wehtut, und abends das Gefühl haben, dass plötzlich alles schwer ist? Irgendetwas davon musste doch das „echte“ Gefühl sein.

Vielleicht liegt genau da einer unserer seltsamsten Denkfehler. Wir behandeln Gefühle manchmal wie Männer beim Dating: Sobald zwei gleichzeitig auftauchen, vermuten wir ein Problem. Dabei kann ein beschissener Monat einen wunderschönen Dienstag enthalten. Man kann jemanden vermissen und trotzdem Spass haben. Man kann traurig sein und sich beim Kaffee kaputtlachen. Und vielleicht bedeutet ein guter Moment nicht automatisch, dass alles wieder gut ist. Vielleicht bedeutet er nur, dass für zehn Minuten etwas anderes ebenfalls wahr sein durfte.

Heute denke ich deshalb anders über dieses völlig sinnlose Lachen im Büro. Es hat nichts geheilt und nichts verändert. Am Abend waren dieselben Gedanken noch da. Aber vielleicht müssen schöne Momente auch gar nicht ständig etwas für uns leisten. Vielleicht dürfen sie einfach passieren, mitten in einer Zeit, in der eigentlich vieles nicht lustig ist. Und wenn ein Raum voller Menschen plötzlich über absolut nichts lacht, muss man möglicherweise auch nicht herausfinden, warum. Vielleicht war genau dieses Nichts für einen Moment genug.

Nicht jedes Lachen braucht einen guten Grund.