Warum fühlt sich plötzlich alles falsch an, obwohl sich nichts verändert hat?
Es kommt leise und trifft trotzdem hart. Noch vor ein paar Tagen war da Klarheit, Energie, ein stabiles Gefühl für sich selbst. Eigentlich bist du eine aufgestellte, positive Person, jemand, der nach vorne schaut und daran glaubt, dass sich Dinge fügen. Und dann kippt es. Ohne ersichtlichen Grund. Der Kopf wird enger, Gedanken lauter, der Körper fühlt sich schwer und fremd an. Das Gesicht wirkt aufgequollen, alles spannt, nichts sitzt mehr richtig. Man schaut sich an und erkennt sich kaum wieder. Und obwohl man weiss, dass es diese Phase gibt, dass sie wieder geht, hilft dieses Wissen in dem Moment kaum.
In der Lutealphase wird alles intensiver. Gefühle verlieren ihre Mitte, Zweifel wachsen schneller als Vertrauen. Gedanken drehen sich enger, bis sie kaum noch Luft lassen. Es ging so weit, dass alles infrage stand. Nicht nur einzelne Dinge, sondern wirklich alles. Der eigene Wert, das Leben, das Weitergehen. Gedanken tauchten auf, die man sonst verdrängt. Dinge wurden gegoogelt, die man niemandem erzählt. Nicht, weil man wirklich aufgeben will, sondern weil man einfach nicht mehr so fühlen kann. Progesteron sinkt, der Körper zieht die Stimmung mit runter, alles wird dumpf, schwer, fast hoffnungslos. Und genau hier liegt der schwierigste Punkt: Man muss sich aktiv daran erinnern, dass das nicht die Wahrheit ist, sondern eine Phase. Dass es vorbeigeht, auch wenn sich gerade alles endgültig anfühlt.
Und trotzdem läuft alles weiter. Alltag, Termine, Gespräche, Verpflichtungen. Man muss funktionieren, egal wie es innen aussieht. Von aussen wirkt nichts ausser Kontrolle, während innen alles zerfällt. Tränen kommen einfach, nicht geplant, nicht passend. Sie laufen, egal wo man ist, weil der Druck keinen anderen Weg mehr findet. Also geht man raus, läuft, lässt es zu, weil es sich sonst staut. Der Körper bewegt sich, während der Kopf festhängt. Zuhause wird Wärme zu etwas, das hält. Eine heisse Dusche, eine Wärmflasche auf dem Bauch oder den Beinen. Dieses Gewicht, diese Hitze, die sich für einen Moment anfühlt wie Nähe. Wie eine Umarmung, die fehlt und trotzdem irgendwie da ist.
Und dann, langsam, verändert sich etwas. Kaum merklich, aber genug, um wieder Luft zu bekommen. Gedanken werden weiter, der Druck lässt nach. Seit ein paar Tagen ist da wieder dieses Gefühl, dass es nicht für immer so bleibt. Dass man wieder rauskommt. Und genau daran muss man sich festhalten, auch wenn es sich in der Tiefe falsch anfühlt. Dass man sich verlieren kann und trotzdem wieder zurückfindet.
Nicht du, nur eine Phase.