Trägst du wirklich, was dir gefällt, oder hauptsächlich das, von dem du glaubst, dass es dir stehen sollte?
Den eigenen Stil zu finden klingt einfacher, als es tatsächlich ist. Wir sehen täglich neue Trends, perfekt kombinierte Outfits und Frauen, an denen plötzlich genau das gut aussieht, was wir selbst vorher nie getragen hätten. Schnell landet etwas im Kleiderschrank, weil es gerade modern ist oder an jemand anderem schön aussah. Trotzdem entsteht dieses typische Gefühl vor einem vollen Schrank: nichts anzuziehen. Oft fehlt dabei gar nicht die richtige Kleidung, sondern eine klare Vorstellung davon, worin man sich selbst wiedererkennt. Ein eigener Stil entsteht deshalb weniger durch immer neue Teile als durch bewusstes Beobachten. Welche Kleidung ziehst du immer wieder gerne an? Welche Schnitte lassen dich selbstverständlich bewegen, ohne dass du ständig etwas zurechtrücken möchtest? Welche Farben greifst du intuitiv? Und welche Sachen sehen zwar schön aus, bleiben aber trotzdem fast immer im Schrank? Genau diese kleinen Gewohnheiten sagen häufig mehr über deinen Stil aus als jeder aktuelle Trend.
Hilfreich ist auch, beim Anprobieren eine andere Frage zu stellen. Nicht nur: Sieht das gut an mir aus? Sondern: Fühle ich mich darin wirklich wie ich? Dieser Unterschied ist entscheidend. Ein Kleidungsstück kann objektiv gut sitzen und trotzdem nicht zu einem passen. Gleichzeitig kann etwas sehr schlicht sein und genau deshalb dieses sichere Gefühl auslösen. Statt den eigenen Körper für Kleidung passend machen zu wollen, sollte Kleidung zum eigenen Körper und zum tatsächlichen Alltag passen. Wer sich beispielsweise fast ausschliesslich in neutralen Farben wohlfühlt, braucht keinen Schrank voller kräftiger Töne, nur weil diese gerade angesagt sind. Wer feminine Kleidung liebt, muss sich dafür genauso wenig rechtfertigen wie jemand, der am liebsten Jeans und ein schlichtes Shirt trägt. Stil wird glaubwürdig, sobald man aufhört, sich dafür zu verkleiden. Bei mir hat sich dieses Verständnis ebenfalls verändert. Früher konnte mein Blick stärker darauf gerichtet sein, ob etwas meine Figur vorteilhaft wirken lässt oder einem bestimmten Bild entspricht. Heute interessiert mich viel mehr, welches Gefühl ein Look bei mir auslöst. Manche Kombinationen geben mir Selbstbewusstsein, andere fühlen sich feminin an und wieder andere passen einfach zu einem entspannten Tag. Dadurch muss nicht mehr jedes Outfit dieselbe Version von mir zeigen. Mein Stil darf sich mit mir verändern. Entscheidend ist nur, dass ich mich darin wiedererkenne und nicht das Gefühl habe, meinen Körper oder meine Persönlichkeit korrigieren zu müssen.
Vielleicht ist genau das der einfachste Stilrat: Kauf weniger für die Frau, die du irgendwann sein möchtest, und zieh mehr für die Frau an, die du heute tatsächlich bist. Beobachte dich, statt dich ständig mit anderen zu vergleichen. Behalte, worin du dich selbstverständlich fühlst, und hinterfrage die Dinge, die nur deshalb in deinem Schrank liegen, weil du dachtest, du müsstest sie mögen. Ein eigener Stil entsteht nicht an einem Nachmittag. Er entwickelt sich gemeinsam mit dir. Und genau deshalb muss er auch niemals endgültig sein.
Dein Stil muss niemandem etwas beweisen.