Wie ein kalter Entzug

Ist Liebe die gefährlichste Droge?

Trennungen sehen von aussen oft viel harmloser aus, als sie wirklich sind. Man steht morgens auf, geht arbeiten, beantwortet Nachrichten, führt Gespräche und trotzdem fühlt sich jeder einzelne Tag falsch an. Nicht dramatisch falsch. Eher leer. Wie etwas, das fehlt und trotzdem überall gleichzeitig präsent ist. Genau das macht es so anstrengend. Dieses dauernde Funktionieren, obwohl sich innerlich alles nur noch um einen einzigen Menschen dreht. Man sitzt mit anderen Leuten am Tisch und denkt trotzdem nur daran, ob diese eine Person gerade auch an einen denkt. Ob sie einen vermisst. Ob sie überhaupt versteht, was sie in einem ausgelöst hat. Und während man versucht normal weiterzumachen, läuft innerlich derselbe Gedanke in Dauerschleife weiter. Am schlimmsten sind die Nächte. Nicht einmal wegen der Einsamkeit, sondern wegen dieser Hoffnung, die einfach nicht verschwindet. Mehrmals aufwachen und automatisch zum Handy greifen. Instagram öffnen. WhatsApp kontrollieren. Nachsehen, ob eine Story gekommen ist oder doch noch irgendein Zeichen. Obwohl man tief drin weiss, dass genau dieses Nachsehen alles nur schlimmer macht. Aber genau das ist der Punkt, über den kaum jemand ehrlich spricht. Man will loslassen und hält gleichzeitig an jedem kleinen Rest fest. An Bildern. An Chats. An alten Nachrichten. Nicht weil man schwach ist, sondern weil man innerlich noch nicht akzeptieren kann, dass ein Mensch plötzlich einfach kein Teil des eigenen Lebens mehr sein soll.

Eigentlich weiss man genau, was helfen würde. Alles löschen. Die Bilder entfernen. Den Chat wegmachen. Die Nummer löschen. Aufhören ständig nachzusehen. Vielleicht sogar blockieren, damit endlich Ruhe entsteht. Aber zwischen Wissen und Umsetzen liegt dieser Schmerz. Denn solange noch irgendwo eine Verbindung existiert, bleibt auch diese Hoffnung bestehen. Und manchmal hält man lieber an Hoffnung fest, selbst wenn sie weh tut, als die Realität wirklich zu akzeptieren. Das Verrückte an Liebeskummer ist, dass die Welt draussen einfach normal weiterläuft. Niemand sieht, wie oft man innerlich zusammenbricht. Niemand merkt, wie anstrengend es ist, ständig so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Man lächelt, führt Gespräche, erledigt Dinge und gleichzeitig fehlt jede Sekunde jemand, der früher ganz selbstverständlich da war. Vielleicht ist genau das das Schmerzhafteste daran. Nicht nur die Trennung selbst. Sondern dieses stille Weiterleben mit jemandem, der im Kopf immer noch jeden einzelnen Tag präsent ist.

Vielleicht fühlt sich Liebeskummer deshalb wie ein kalter Entzug an. Weil man nicht nur einen Menschen verliert, sondern gleichzeitig lernen muss, ohne etwas weiterzuleben, das sich einmal wie Zuhause angefühlt hat.

Man lächelt, während innen alles schreit.